Dolomiten

 

Die folgende Beschreibung ist für all die gedacht, für die "PASS" nicht nur ein anderes Wort für "Ausweis" darstellt. Obwohl wir nur 4 Tage (vom 18.6. - 21.6.2000) Zeit, und schweisstreibende Temperaturen von ca. 30 Grad im Schatten hatten, haben wir uns bemüht, möglichst viele Pässe zwischen Brixen und Cortina d´ Ampezzo "mitzunehmen".

Ein ausdrücklicher Dank gebührt ausserdem allen Omas und Opas dieser Welt, die solche Ausflüge durch Ihren Einsatz als "Kindersitter" erst möglich machen.

Wer über ausreichendes Kartenmaterial verfügt, sollte dieses zum besseren Verständnis des Berichtes zur Hand nehmen. Wer keine Karte der erwähnten Pässe griffbereit hat, kann hier eine Pässeübersicht  auf seinen PC laden und mit einem Bildbearbeitungsprogramm seiner Wahl ausdrucken lassen, als Pässeübersicht im PDF-Format (Achtung!! Dateigröße 300 KB) oder als Datei für MS Autoroute 2001 downloaden .

Außerdem finden sich hier auch PDF-Dateien der gefahrenen Gesamtroute , der Strecke bis Sterzing, des Teiles innerhalb der Dolomiten und eine dazugehörige Datei für Microsoft Autoroute 2001

 

Tag 1:

Die Anreiseroute führte von Augsburg, über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald, Richtung Innsbruck. Um dem österreichischen Finanzminister nicht zuviel Geld zu schenken, sollte kurz vor Innsbruck der Weg Richtung Axam und dann nach Mutters gewählt werden. So entfällt die Nutzung der österreichischen Autobahn und damit die geliebte Autobahnvignette ´von z. Zt. 80 Schilling = ca. 12 DM pro Motorrad.

Weiter führt uns die Strecke auf der alten Brennerstrasse Richtung Italien. Für Motorradfahrer verbietet sich die Nutzung der Brenner-Autobahn ja fast von selbst. Die Fahrt über die alte Brennerstrecke erspart nicht nur die Maut von z. Zt. 100 Schilling (ca. 14 DM pro Motorrad) sondern führt zudem durch eine landschaftlich schöne Gegend und vermeidet die Fahrt im LKW-Abgas auf der Autobahn.

Im weiteren Verlauf führt uns die Strecke über den ehemaligen Grenzübergang Österreich -> Italien und damit zur letzten Gelegenheit, nochmal günstig Benzin zu fassen. An den italienischen Tankstellen mussten wir im weiteren Verlauf der Reise ca. 10% mehr bezahlen als in Österreich.

Wer aber am hier befindlichen Geldwechselautomaten versucht, seine DM in italienische Lire zu tauschen, sollte sich vorher den "aktuellen Tageskurs" genau ansehen. Offensichtlich gibt es bei mancher Bank noch immer "Tageskurse", obwohl die EURO-Einführung soetwas überflüssig gemacht hat. Wer nachrechnet, wird auch staunen. Der vorgeschlagene Wechselkurs war, zumindest bei unserem Besuch, mit 935 Lire pro 1 DM äußerst bankfreundlich (normal wären ca. 990 Lire pro DM gewesen).

Als nächster, grösserer Ort folgt nun Sterzing (Vipiteno). Obwohl wir ursprünglich überlegt hatten, dort den ersten Reisetag zu beenden, entschlossen wir uns, weiter in Richtung Dolomiten zu fahren.

Noch während unserer kurzen Absprache stoppte ein Motorradfahrer bei uns, dessen Kupplungszug gerisssen war, und bat uns um Hilfe. Zu seinem Glück hatten wir ein Nippel- und Seilzugset im Gepäck und der Schaden konnte rasch behoben werden. Ein Hinweis an alle, alle, alle Motorradfahrer -> immer Seilzüge dabeihaben. Das komplette Kit kostet nur ca. 10,-- DM und kann einem viel Ärger ersparen. Zu unserer Schande mussten wir dabei allerdings feststellen: Wir hatten keinen Seitenschneider dabei, um das Seil abzuschneiden. Zum Glück konnte uns hier ein Anwohner aus der Klemme helfen.

Nachdem wir unsere "gute Tat" für diesen Tag erledigt hatten, haben wir uns weiter auf den Weg nach Brixen und ins Grödnertal (Val Gardena) gemacht. Wir mussten bei der Suche nach einer Unterkunft feststellen, dass der Sonntag in der zweiten Woche der Pfingstferien nicht unbedingt der Idealtermin für die Zimmersuche ist. Teilweise hatten die Pensionen noch geschlossen, oder die dazugehörigen Gaststätten hatten Sonntags Ruhetag.

Die Suche endete dann glücklich im Cafe Arnaria (Foto) kurz vor St. Ulrich (Ortisei). Dort fanden wir ein gemütliches und hübsches Zimmer für 60,-- DM pro Nacht/Person inkl. Frühstück und Blick auf eine typische Kirche dieser Region. Nach einer ausgiebigen Dusche stellte sich nur noch die Essensfrage.

In der Nähe des Cafe´s befand sich auch ein Tenniscenter mit dazugehöriger Pizzeria. Die Pizza´s waren brauchbar, hätten aber auch aus jedem Tennisheim in Augsburgs Umgebung stammen können. Dennoch waren wir zufrieden und liessen den Tag mit einem Capuchino auf der Cafeterasse ausklingen.

 

Tag 2:

Nach dem Frühstück machten wir uns schleunigst auf unsere Pässefahrt. Doch leider hat mein rechter Spiegel sich für eine andere Streckenführung entschieden und sich kurzerhand selbstständig in zwei Teile zerlegt. Der Versuch, einen neuen Spiegel aufzutreiben, hat die Routenplanung ein wenig abgeändert. Über das Sellajoch (Paso di Sella) fuhren wir zum Pordoi (Passo Pordoi) und im weiteren Verlauf nach Arabba und über den Falzaregopass (Passo di Falzarego) (Bild2 / Bild3) in Richtung Cortina d´ Ampezzo.

Dort versuchten wir in einer Autowerkstatt und an einer Tankstelle, eine Motorradwerkstatt ausfindig zu machen. Hierbei mussten wir feststellen, daß Deutsch in dieser Gegend nur bedingt weiterhilft. So problemlos die Verständigung in St. Ulrich geklappt hatte (Deutsch war dort überhaupt kein Problem), so schwierig gestaltete sich hier die Kommunikation. Unter Zuhilfenahme von Händer, Füssen und einiger Englischkenntnisse konnten wir in Erfahrung bringen, dass sich keine Werkstatt in der Nähe befindet, und sich die nächste Einkaufsquelle in Bruneck (Brunico) oder evtl. in Belluno befindet. Ob es dort auch Honda-Spiegel gibt, konnten wir nicht endgültig klären.

Der hilfsbereite Tankwart warnte uns ausserdem, dass Motorradteile in Italien ungefähr das doppelte als bei uns kosten. Er persönlich würde Zubehör für seine Kawasaki immer in Österreich kaufen. Da wir nicht sinnlos nach einem Spiegel suchen wollten, beschlossen wir, die Suche abzubrechen und unseren ursprünglichen Tourenplan weiterzuverfolgen.

Wir fuhren also von Cortina aus auf den Pass der drei Zinnen (Passo di Tre Croci). Auf der Passhöhe angekommen, wendeten wir und fuhren nach Cortina zurück. Anschliessend trieb es uns Richtung Süden, über den schönsten Pass dieser Tour, den Passo di Giau mit seinem herrlichen Ausblick. Die weitere Fahrt führte dann über den Forcella Staulanza (Bild2) nach Zoldo Alto.

Darauf folgte der abenteuerlichste Abschnitt der ganzen Reise. Der Passo Duran mit der kleinen Kirche auf der Paßhöhe führt durch kleine Dörfer, ist an vielen Stellen einspurig und der Asphalt hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Viele Risse im Belag und einige Löcher im Asphalt sollten jedoch niemanden davon abhalten diese schöne Strecke Richtung Agordo in seine Planung aufzunehmen. Die Strecke ist mit jedem normalen Motorrad zu bewältigen und stellt die ideale Verbindung zum Passo Cereda (Bild2 / Bild3 / Bild4) und damit nach Fiera di Primero dar.

In Fiera di Primero führte uns die Route zum Passo Rolle (Bild2 / Bild3) und über den Passo Valles (Bild2) nach Falcade. Dort angekommen, mussten wir erneut feststellen, dass die zweite Pfingstwoche noch keine Saison zu sein scheint. Die Gehsteige schienen noch hochgeklappt und die Strassen menschenleer. Der Zimmernachweis auf einer Anzeigetafel liess nichts gutes vermuten -> alle Hotels zeigten Rot und damit "Besetzt" an. Auf Rückfrage bei einem gegenüberliegenden Hotel stellte sich jedoch heraus, dass die Hotels grossteils noch geschlossen hatten und daher keine Zimmer meldeten. Es wurde uns auch sofort ein Zimmer in diesem Haus angeboten, das wir nach einer Besichtigung (dunkel, muffiger Geruch ...) dankend ablehnten.

Stattdessen wählten wir ein Hotel direkt am Ortseingang, an dem wir vorher vorbeigefahrten waren. Dieses "Hotel Belvedere" bietet schöne, geräumige und gepflegte Zimmer an, die innerhalb der Saison nicht unserem Geldbeutel entsprochen hätten. Wir erhielten jedoch einen äußerst anständigen Preis von 55,-- DM pro Nacht/Person inkl. Frühstück. Angesichts des Hotels (sehr aufmerksames Personal, hervorragende Küche, Bar...) handelt es sich dabei um ein Schnäppchen.

Eventuellen Problemen beugte das Hotel vor, indem uns der Oberkellner die italienische Karte unaufgefordert übersetzte, in der Bar fand sich ein Mitarbeiter mit guten Deutschkenntnissen und so wurde das Sprachproblem gelöst, bevor es überhaupt entstand. Nach einem hervorragenden Essen und einem Cappuchino an der Bar fand auch dieser Abend seinen Ausklang.

 

Tag 3:

Nun wollten wir es doch noch wissen. Da wir am Vortag die "Sellarunde" nicht komplettiert hatten, wollten wir dies heute erledigen. Wir fuhren also von Falcade über den Passo San Pellegrino (Bild2) nach Moena. Dort bogen wir nach Vigo, und im weiteren Verlauf nach Canazei ab. In Canazei führte unsere Streckenführung zum Passo Fedaia (Bild2 / Bild3 / Bild4) und am Berg Marmolada vorbei nach Arabba. In Arabba fuhren  wir zum Passo Campolongo (Bild2). Dieser führt direkt zur Grödnerjoch (Passo Gardena) (Bild2 / Bild3). Über das Sellajoch (Passo di Sella) kamen wir wieder nach Canazei und von dort aus zurück nach Vigo.

Als nächstes stand der Karrerpass (Passo Costalunga) (Bild2) auf unserem Programm. Der weitere Weg führte durch Birchabruck und durch eine faszinierende Schluchtenstrecke direkt nach Bozen. Nachdem wir uns durch Bozen gequält hatten, folgten wir der Wegweisung nach Meran. Ausnahmsweise wählten wir zur Überbrückung die Autobahn nach Meran.

Nachdem wir die Autobahn an der Anschlussstelle Meran Süd verlassen hatten, folgten wir der Wegweisung nach Dorf Tirol und dann zu unserem nächsten Etappenziel Jaufenpass (Passo di Giovo).

In St. Leonhard kamen wir dann um eine Pause mit Mineralwasser und Eisbecher nicht mehr vorbei.

Am Ortsende von St. Leonhard beginnt dann die Auffahrt zum Jaufenpass (Bild2 / Bild3 / Bild4 / Bild5). Nachdem dieser bewältigt war, fanden wir uns in Sterzing (Vipiteno) wieder und suchten erneut ein Nachtquartier. Auf Empfehlung eines Freundes suchten wir die Pension "Färbe" auf. Dort fanden wir ein einfaches, aber sehr sauberes Zimmer mit Fernseher zum Preis von 40,-- DM pro Nacht/Person inkl. Frühstück.

Nachdem das Zimmer bezogen und die Pflichtdusche absolviert war (bei ca. 30 Grad im Schatten eine echte Erleichterung), begaben wir uns in Sterzings Fußgängerzone und beendeten den Tag mit Pizza, Salat, Spaghettieis und Cappuchino.

 

Tag 4:

Der Weg nach Hause verlief wieder über die alte Brennerstrasse, und führte uns dabei mehrfach unter der Brenner-Autobahn und der Europabrücke hindurch. In Innsbruck folgten wir leider der Wegweisung Richtung Garmisch und landeten prompt mitten in Innsbruck. Der Weg über Mutters / Axams wäre der einfachere gewesen und hätte uns die quälende Stadtdurchquerung Innsbrucks erspart.

Aufgrund einer Baustelle landeten wir außerdem plötzlich auf einem Stück original österreichischer Autobahn. Da wir ohnehin eine Vignette gekauft hatten, störte uns dies jedoch auch nicht weiter. Über Mittenwald fuhren wir weiter zum malerisch gelegenen Walchensee und über den Kesselberg nach Kochel. Dort nahmen wir die Strecke über Murnau nach Weilheim und weiter zum Ammersee.

Nach einer Stärkung im Strandbad Riederau mit seinem herrlichen Blick auf den Ammersee nahmen wir die letzten Streckenkilometer in Angriff. Der Weg führte nach Moorenweis, Mering, Kissing und direkt zur nächsten Hein-Gericke Filiale, um endlich einen neuen Spiegel und Seilzugset zu kaufen. Wenige Kilomter später war dieser gelungene Ausflug unter der heimischen Dusche endgültig beendet.

 

Bemerkungen:

Wir haben uns vor Fahrtantritt ein ADAC-Tourset geholt und dachten, damit aktuelles und gut geeignetes Kartenmaterial zu bekommen. Im Verlauf der Reise mussten wir jedoch feststellen, daß die Karten leider immer dort endeten, wo wir uns gerade befanden und die verscheidenen Kartenmassstäbe eine vernünftige Planung unmöglich machten. Die später gekaufte Karte "KOMPASS 324 Oberitalien" ISBN 3-85491-312-5 bzw. die Panoramakarte "KOMPASS 350 Alpen" ISBN 3-85491-186-6 hätten uns sicher bessere Dienste geleistet.

Wer sich für hervorragende Fotografien der beschriebenen Passstrecken interessiert, findet zusätzlich Bilder unter www.motoalps.de.