Gardasee II

 

Es war Pfingsten und wieder einmal soweit. Wir (Gudrun / Christof) sattelten unsere beiden NTV 650 und machten uns auf den Weg Richtung Italien. Nachdem wir unser Reiseziel aufgrund der ständig veränderten Wettervorhersagen unter www.wetter.com mehrfach neu ausgewählt hatten (zuerst sollte es Richtung Schweiz oder in die Dolomiten gehen), schien Oberitalien am geeignetsten. 

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der gefahrenen Wegstrecken (Strecken am Gardasee als PDF-Datei) bzw. die komplette Reiseroute als Datei für Microsoft AutoRoute 2001.

 

Tag 1:

Bei hervorragendem Wetter ging es los. Unsere Reiseroute führte zunächst über Landsberg und Schongau nach Garmisch-Partenkirchen. Von dort aus ging es nach Seefeld, den Zirler Berg hinunter und -zum Leidwesen der österreichischen Mautfreunde- über Axams, Götzens und Mutters zur alten Brenner Bundesstrasse und weiter nach Sterzing.

Kurz hinter Sterzing fuhren wir Richtung Penser-Joch. Die wunderschöne Strecke war am Anfang mit einigen kleineren Baustellen versehen, welche aber keine echte Behinderung darstellten. Je mehr wir uns dem Paßsattel näherten, desto mehr wurden wir uns der Höhenlage bewusst. Neben der Fahrbahn tauchten die ersten schneebedeckten Stellen auf und bald lag neben der freien und grösstenteils trockenen Strasse eine dichter werdende Schneedecke

Beim Erreichen der Paßhöhe konnten wir es uns nicht verkneifen, unsere Mopeds abzustellen und eine kurze Fotopause einzulegen. Der herrliche Blick alleine ist schon eine Reise wert. Der weitere Weg Richtung Sarntal wartete jedoch bereits auf uns. Am Ende dieser malerischen Strecke trafen wir in Bozen ein.Dort orientierten wir uns an der Wegweisung nach Trento. Auf der anschliessenden Hotelsuche wurden wir, entgegen unserer Planung, nicht fündig. Wir hatten ursprünglich gehofft, spätestens in Rovereto unterzukommen. Allerdings hatten viele Hotels an der Hauptstrasse geschlossen oder erschienen uns kaum für unsere Ansprüche geeignet.

Da es mittlerweile bereits 17:00 Uhr war, vermuteten wir, daß die Richtung zum Gardasee uns mehr Glück bringen sollte. Nach einem erfolglosen Versuch klappte es dann auch beim zweiten Mal. 

In Nago wurden wir in einer Seitenstrasse fündig und nahmen im Hotel Doria Quartier für 2 Nächte. Das Zimmer war ordentlich, einfach möbliert, mit Blick in den Hinterhof und kostete pro Nacht und Person 65000 Lira. Wir genossen die warme Dusche und freuten uns auf das Essen in einer naheliegenden Pizzeria.

 

Tag 2:

Nach einem kräftigenden Frühstück mit Semmeln, Wurst, Marmelade, Orangensaft ... machten wir uns auf den Weg zum Monte Baldo. Dazu fuhren wir zurück nach Mori und nahmen dort die Strecke nach Brentonico in Angriff. Nach einem kurzen Stop, schlossen wir uns zwei anderen Motorradfahrern an und nahmen die -scheinbar frisch geteerte- Höhenstrasse nach Spiazza. 

Am Ende dieser Strecke lag Caprino. Dort bogen wir nach Affi ab und begaben uns in eines der internationalen Luxusrestaurants mit dem grossen, gelben M.  Da wir geplant hatten, das Südende des Gardasees zu umrunden, führte unser Weg über Desenzano und Salo nach Gargnano. Dort begann das wohl schönste Teilstück dieses Italienurlaubes. 

In Gargnano bogen wir in Richtung Idro-See ab. Was dann folgte, ist ein Traum für jeden Kurvenliebhaber. Eine landschaftlich wunderschöne Strasse, direkt am Berghang entlang und von einer Kurve in die nächste fallend. Es ist bei dieser grandiosen Streckenführung schwierig, überhaupt den Stop für eine kurze Fotopause am Lago di Valvestino einzulegen. Nach dem Foto konnten wir es kaum erwarten, den Rest der Strecke zum Idrosee zurückzulegen. 

Nach einer kurzen Orientierungspause entschieden wir uns, Richtung Ledrosee weiterzufahren. Auf halber Strecke trafen wir auf das Schild "TREMALZO". Da in unserem Bekanntenkreis viele vom "gesperrten  Tremalzo" erzählt hatten, waren wir neugierig und wollten, trotz unserer Müdigkeit, das Geheimis dieses Passes erkunden. Wir beschlossen also der Passstrasse zu folgen. 

Entgegen den Schilderungen unserer Bekannten fanden wir keine Horrorstrecke, sondern eine gut ausgebaute Asphaltstrasse vor. Wir folgten dieser ca. 10 Kilometer und brachen dann, aufgrund der Hitze und unserer Müdigkeit, unsere Erkundungstour ab und fuhren die Stecke wieder zurück. Wir nahmen uns jedoch vor, das "Horrorspektakel" Tremalzo am nächsten Tag nochmals in Angriff zu nehmen und endgültig zu erkunden.

Nach unserer abgebrochenen Erkundung fuhren wir wieder Richtung Ledrosee und kamen, nach Durchquerung zweier Tunnel, in Riva, und damit wieder am  Gardasee an. Der Weg nach Nago und in unser Hotel war dann nur noch ein Katzensprung.

Dort endete der Tag abermals mit einer Dusche und in der oben erwähnten Pizzeria. Ein anschliessender Spaziergang bei mildem Wetter bildete den perfekten Abschluss dieses Tages.

 

Tag 3:

Dieser Tag begann ebenfalls mit einem ordentlichen Frühstück und wir räumten anschliessend unser Quartier. Da das gemietete Zimmer heute anderweitig gebraucht wurde, verliessen wir unser Domizil und traten unsere Weiterreise mit dem kompletten Gepäck an. 

Unsere Planung führte uns nach Loppio und dort zum Abzweig Richtung "Valle San Felice". Auf einer schön geschwungenen Strasse gelangt man über Ronzo und anschließend auf einer mit Kehren und Kurven gespickten Strasse mitten durch den Wald nach Arco. Von dort aus war das nächste Ziel klar -> Das Geheimnis des gesperrten Tremalzo!

Also ging es Richtung Riva und dann in Richtung Ledrosee. Am Ledrosee bogen wir wieder auf den Weg nach Storo ab gelangten auf halber Strecke wieder zum Abzweig zum Tremalzo-Pass. Diesmal stürmten wir die Passtrecke hinauf und genossen jede einzelne Kurve bis hinauf zum Restaurant.

Direkt hinter der Gaststätte stiessen wir auch auf die besagte Streckensperre. Wir trafen dort noch ein Pärchen mit einer BMW F650 Funduro und überlegten zusammen mit dem BMW-Fahrer, ob wir das Risiko eingehen sollten, auf der gesperrten Schotterstrecke Schiffbruch zu erleiden bzw. erwischt zu werden.  Das Ergebnis unserer Überlegungen schien meine Frau nicht sehr zu begeistern. 

Wir schwangen uns also wieder auf unsere Motorräder und fuhren äußerst vorsichtig die 1,5 km lange Strecke zu einem Tunnel hinauf. Die Strecke war nur geschottert und angesichts der äußerst scharfkantigen Steine hatte ich reichlich Sorgen um meine Strassenreifen. Es macht sicher keinen Spaß, mit einem Plattfuss auf einer gesperrten Strecke in Italien liegenzubleiben.

Als wir den oben gelegenen Tunnel (inklusive der darin verstecken Schlaglöcher) durchquert hatten, genossen wir einen sagenhaften Rundblick, der einem glatt den Atem verschlägt. Man sieht auf eine grandiose Landschaft und auf eine Schotterpiste mit Serpentinen und Kehren ohne Ende. 

Wie unterhielten uns mit einem Autofahrer, der die Strecke gerade heraufgefahren war (für Autos nicht gesperrt!) und er schilderte uns den gesamten Weg als äußerst schwierig und nahezu komplett unbefestigt. Er hatte mit seinem Auto immerhin ca. 45 Minuten gebraucht, um die 15 km heraufzufahren. 

Eine Bergabfahrt mit unseren Strassenmaschinen auf Schotter schien uns daher als absolut nicht vertretbar. Der Fundurofahrer startete dennoch einen Versuch, drehte jedoch bei der ersten Kehre wieder um und kam zurück.

Nun wussten wir um das Geheimnis Tremalzo. Sollte irgendjemand Lust verspüren, eine 15km lange Strecke auf Schotter zu fahren, so sollte er die Strecke nur vom Gardasee aus angehen. Dann führt der Weg wenigstens bergauf. Ein geländetaugliches Motorrad sollte man dabei aber dennoch fahren. Gesperrt ist die Strecke für Motorräder allemal.

Wir genossen nochmals den Rundblick und drehten um, um anschließend wieder 1,5 km Schotter bis zum Restaurant hinter uns zu bringen. Der Rückweg, hinab Richtung Storo war trotz des Fehlschlages ein echter Genuss. Am unteren Ende der Tremalzo-Auffahrt machten wir dann, zusammen mit drei zufällig anwesenden anderen Bikern, eine ca. einstündige Pause.

Von Storo aus fuhren wir wieder in Richtung Idrosee. Wir wollten den "Paso di Croce Domini" überqueren, um über Breno zum Gavia-Pass zu gelangen. Leider war die Zufahrt zum "Croce" bereits unten am Idrosee gesperrt und wir mussten unverrichteter Dinge umkehren. 

Wir entschieden nun den Weg nach Norden einzuschlagen und fuhren via Storo, Tione di Trento und Madonna de Campiglio aufs Gampenjoch zu. Erneut kam uns eine Strassensperrung in die Quere und wir mussten etwas umständlich nach Fondo fahren. Dort angekommen, fuhren wir über den Gampenpass mit einem kurzen Stop und herrlichem Rundblick nach Meran.

Auf dem Weg nach Meran suchten wir uns eine Unterkunft und kamen dabei am Hotel St. Valentin vorbei. Erschöpft und müde fragten wir hier nach einer Unterkunft und bekamen ein sehr schönes Mansardenzimmer angeboten. Dieses Zimmer war recht gross, gut möbliert und auch der Rest des Hotels macht einen äußerst gepflegten Eindruck. Insbesondere der holzgetäfelte Speisesaal, welcher abends zu Aufenthaltsraum und Bar wird, ist sehr nobel gestaltet. Der Zimmerpreis war identisch mit dem Hotel in Nago und lag ebenfalls bei 65000 Lira pro Person und Nacht. Das Hotel St. Valentin war aber eindeutig eine Klasse schöner. Hier hätte man es getrost mehrere Tage aushalten können. 

Wir gingen im benachbarten Restaurant gut essen und fielen anschließend erschöpft und glücklich ins wohlverdiente Bett.

 

Tag 4:

Beim Frühstücksbuffet konnten wir nochmals den Speisesaal bewundern und es uns richtig gutgehen lassen. Nun rief aber der Heimweg nach uns. Getrieben vom Heimweh und der Neugier (meine rote NTV650 war zum Verkauf im Internet inseriert und ich war neugierig, ob diese Tour wirklich unser Abschied sein müsste), fuhren wir durch Meran und an Dorf Tirol vorbei durchs Passeiertal nach St. Leonhard. Dort stellten wir fest, daß das ursprünglich geplante Timmelsjoch noch immer per Wintersperre geschlossen war. 

Unbeirrt nahmen wir die Alternativstrecke über den Jaufenpass und genossen die landschaftlich schöne Strecke nach Sterzing. Von dort an ging es, wie gewohnt, über die alte Brenner-Bundesstrasse und unter der Europabrücke hindurch in Richtung Innsbruck. Um uns die Ortsdurchfahrt durch Innsbruck zu ersparen (einmal im Leben genügt), fuhren wir wieder via Mutters, Götzens und Axams zum Zirler Berg. 

Der weitere Streckenverlauf führte uns, ebenso wie der Hinweg, durch Garmisch und Landsberg zurück ins heimatliche Augsburg. 

 

Bemerkungen:

P.S. Mein Motorrad fand mehrere Interessenten im Internet, wurde diesen dann aber von einem meiner Freunde "weggeschnappt". 

Wer sich für hervorragende Fotografien der beschriebenen Passstrecken interessiert, findet zusätzlich Bilder unter www.motoalps.de.