Gardasee und zurück in 5 Tagen

 

Nachdem unser Sommerurlaub 2005 bisher recht "bikefrei" abgelaufen war, hatten wir uns entschlossen, noch einige Kilometer auf unsere Tachos zu bringen.

Beide Bikes waren gerade aus der Werkstatt und nach der Anschaffung von 1 x Kundendienst + Hinterreifen bei unserer SV-650 und 1x Kettensatz + 1 x Vorderreifen bei der TDM-850 waren wir um runde 1000 Euros erleichtert. Damit die Werkstattkosten nicht sinnlos vergeudet sind, haben wir uns einige Euros in den Geldbeutel gesteckt und das Angebot von Oma und Opa, sich um unsere Tochter zu kümmern, dankend angenommen.

 

Tag 1 / Donnerstag 1.9.2005

Am 1.9. ging es also rauf auf die Bikes und ab nach Innsbruck. Da wir vermuteten, daß der Verkehr wochentags und außerhalb der Hauptreisezeit nicht allzu dicht ist, entschlossen wir uns diesmal den vermeintlich kürzeren Weg durch Innsbruck zu nehmen und somit unsere Stamm-Umgehung über Axams / Götzens / Mutters auszulassen. Tatsächlich hatten wir kaum Verkehr und die Fahrt durch Innsbruck lief problemlos ab. Wir achteten bei dieser Gelegenheit auch auf die zurückgelegte Entfernung und stellten fest, daß beide Strecken nahezu identisch lang sind. Das Staurisiko besteht jedoch nur bei der Durchfahrt durch Innsbruck. Zukünftig wird daher wieder die Umgehungsstrecke unsere erste Wahl sein.

Wie bereits früher, nahmen wir auch diesmal wieder die Brenner-Landstraße anstelle der mautpflichtigen Brenner-Autobahn. Da wir heute ohnehin nur bis zum Hotel Sparerhof in Vilpian wollten (liegt zwischen Meran und Bozen), wäre die Autobahn auch kaum sinnvoll gewesen. Nach einem kurzen Tankstop am Brennersee und der problemlosen Grenzüberquerung am Brennerpass ging die Fahrt über Gossensass nach Sterzing.

Am Ortsende von Sterzing stellte sich die Frag, ob wir

bulletder Brenner Bundesstraße folgen und über Brixen und Bozen ( langweilige Strecke mit Staugefahr in Brixen, ca. 85 km Gesamtstrecke )
bulletden Jaufenpass in Richtung St. Leonhard nehmen, und dann über das Passeiertal und Meran ( Jaufen ok / Passeiertal großteils schlecht zum Überholen / ca. 72km Gesamtstrecke )
bulletoder über das Penserjoch und via Bozen ( Nordauffahrt zum Joch teilweise mäßiger und teilweise nagelneuer Straßenbelag / extrem wenig Verkehr und gute Überholmöglichkeiten auf der Südseite / ca. 78 km Gesamtstrecke )

nach Vilpian fahren sollen.

Aufgrund unserer Erfahrungen wählten wir die dritte Variante und wurden nicht enttäuscht. Wie gewohnt war die Auffahrt zum Penserjoch mit einigen Schäden im Straßenbelag, aber auch mit einigen Kilometern neuesten Belages kein Problem. Nach Überqueren der Passhöhe ist die Abfahrt ins Sarntal auch für wenig geübte Biker keine große Herausforderung. Die Straße läuft größtenteils in beschwingten Kurven durchs Tal und ist ein wahrer Genuss für jeden Tourenfahrer.

Kurz vor Bozen schaltete ich mein neues Navigationsgerät ein und ließ mich entspannt durch das Bozener Straßenlabyrinth führen. Es war das erste Mal, dass ich Bozen ohne Stress durchquert habe. Ein Traum.

Nach ca. 300 Kilometern kamen wir recht verschwitzt im Hotel Sparerhof an und parkten unsere Bikes dort direkt vor der Haustür. Nach der Begrüßung durch den Chef des Hauses bezogen wir unser Zimmer, zogen uns um und sprangen nach einer kurzen Dusche in den hoteleigenen Pool. Während wir noch ein wenig im Wasser planschten, brachte der Kellner uns einen Cappuccino und ein Stück frischgebackenen, warmen Mandel-Apfelkuchen. So lässt es sich leben.

Da wir erst recht spät in Vilpian angekommen waren, lies auch das leckere Abendessen im gemütlichen Gastgarten des Sparerhofs nicht mehr lange auf sich warten.

 

Tag 2 / Freitag 2.9.2005

Nach dem Frühstück mit Wurst, Semmeln und kräftigem Kaffee setzten wir unsere Tour fort. Wir wählten den Weg über Nals, Tisens und über das Gampenjoch nach Fondo. Die weitere Strecke führte uns über Dermulo nach Molveno mit seinem malerisch gelegenen See. Hier könnte man es aushalten.

Da wir aber bereits Zimmer in der Nähe des Gardasees gebucht hatten, mussten wir weiter. Die Strecke führte uns auf der interessanten und landschaftlich sehr schönen SS421 mit ihren Tunnels Richtung Süden. Nach einer kurzen Rast in Ponte delle Arche ging es über Ballino und diesmal über die SP37 (anstelle der dichter befahrenen SS421) nach Riva.

Nun folgte das nahezu unvermeidliche Stück Gardasee Küstenstraße (Gardesana) mit seinen Tunnels, LKWs, Bussen und fehlenden Überholmöglichkeiten. Eine echte Nervenprobe. Aber wenigstens konnten wir nach ca. 30 km in Gargnano rechts abbiegen und uns auf die kurvenreiche Strecke zum Hotel Montegargnano machen, von dem wir schon sehr viel Positives gehört hatten.

Dort angekommen, stellten wir unsere Bikes in der zum Motorradparkplatz umfunktionierten Laube ab. Obwohl wir zum ersten Mal hier abstiegen, wurden wir sehr freundlich vom Hotelier Alain begrüßt und bezogen unser Zimmer mit Dusche / WC.

Nach der Dusche schauten wir uns ein wenig im Hotel um und stellten natürlich durchaus die Unterschiede dieses *-Hotel im Vergleich zum ***-Hotel vom Vortag fest. Die Zimmer sind schlicht eingerichtet, einen Fernseher im Zimmer gibt es natürlich nicht und auch die Ausstattung der Zimmer ist einfacher gehalten. Alles ist jedoch gemütlich und sauber. Beim Abendessen bleiben kaum Wünsche offen. Das Essen ist lecker zubereitet und reichlich. Wer hier auf Halbpension verzichtet, ist selbst schuld. Das Preis- / Leistungsverhältnis ist sehr gut und vor allem in der Hauptsaison nahezu unschlagbar.

 

Tag 3 / Samstag 3.9.2005

Der Morgen begann mit einem Blick auf den unter uns liegenden Gardasee. Der Dunst vom Vortag hatte sich verzogen und der See zeigte sich diesmal in seiner vollen Pracht. Realer als der See war der Griff zum Frühstücksbrötchen und zu den frisch zubereiteten, noch warmen Schokocroissants. Ein Genuss. Besser kann man einen Tag kaum beginnen.

Unsere Planung führte uns an diesem Tag am Valvestino-Stausee vorbei zum Idrosee. Dort legten wir als weitere Route einen Abstecher nach Collio und zum Passo de Maniva fest. Als wir den Manivapass hinauffuhren, hing über dem Gipfel eine dunkle Wolke und wir entschieden uns, am Rifugio de Maniva abzubiegen und den Passo Croce Domini nicht zu fahren. Stattdessen wählten wir eine kleine Nebenstraße, die hinter den Gebäuden am Maniva lag und direkt nach Bagolino führt. Der Straßenbelag ist zwar im oberen Bereich eine Katastrophe und mit Frostaufbrüchen übersäht, im weiteren Verlauf ist die Strecke aber frisch geteert und in hervorragendem Zustand. Die schmale Straße führt durch den Wald bis Bagolino und ist (mit Ausnahme des oberen Stückes) eine sehr schöne und kurze Alternative zum Croce Domini.

Von Bagolino aus fuhren wir auf der SS240 nach Storo und weiter zum Ledrosee. Dort kehrten wir in einer Pizzeria ein und stärkten uns erstmal mit einer hervorragenden, superdünnen Pizza, wie wir sie lieben.

Nun stellte sich die Frage nach dem Heimweg. Sollten wir nochmals die endlos erscheinenden 30 km auf der Gardesana zurücklegen oder vielleicht die SS240 zurück über Storo zum Idrosee nehmen und die Idrosee- / Valvestino-Strecke diesmal in der anderen Richtung zurückfahren?

Gerade die Valvestino-Route hatte uns am Morgen enttäuscht, da wir sie als Traumstrecke in Erinnerung hatten und heute nicht wirklich gut damit zurechtgekommen waren. Die Strecke war noch naß und kleine Steinchen waren vom nächtlichen Regen auf die Straße geschwemmt worden. Der Spaß war dadurch sehr begrenzt. Irgendwie hatten wir das Ganze schöner in Erinnerung.

Wir entschieden uns, diese Strecke nochmals unter die Räder zu nehmen und zu testen, woran es lag. War es der morgendliche Straßenzustand oder waren einfach unsere früheren Erinnerungen zu positiv gewesen? Um es vorweg zu nehmen: Unser Gedächtnis hatte uns nicht getrogen. Diese Strecke ist (wenn trocken und ohne Geröll) wirklich eine Traumstrecke und lädt zum Kurvenjagen ein. In der Richtung West -> Ost ist die Strecke eindeutig schöner, da man dann nicht so dicht an der Felswand klebt und die Kurven besser einsehen kann. Unsere Entscheidung, der Route "noch eine zweite Chance" zu geben war eindeutig richtig.

Den Tag beendeten wir ebenfalls mit einem prima Abendessen im Hotel Montegargnano und verstanden immer mehr, warum unsere Freunde sich so sehr dafür begeisterten. Das Hotel hat nahezu 100% Motorradfahrer als Gäste und die Hoteliers Alain und Graziella haben mit ihrer freundlichen, offenen und familiären Art einfach einen Draht zu Ihren Besuchern. Es ist wirklich kein Wunder, warum die meisten Gäste nicht zum ersten mal hier eingekehrt sind.

 

Tag 4 / Sonntag 4.9.2005

Wir mussten nun langsam wieder Richtung Deutschland und hatten uns für unseren Zwischenstopp ein Zimmer im Hotel Belvedere in Moena (Fassatal / Dolomiten) gebucht. Da wir bei "Alain und Graziella" auch zwei Münchner Biker kennen gelernt hatten (das wäre eine längere Geschichte), entschieden wir mit diesen Beiden ein Stück gemeinsam zu fahren. Um die geplante Fahrt über den Monte Baldo nicht durch eine stundenlange Anfahrt um den See herum zu ruinieren, nahmen wir die Fähre über den See. Sie führt von Toscolano/Maderno nach Torri del Benaco und erspart einem ein ödes Stück Gardesana und viel sinnlos vergeudete Zeit.

Nachdem wir in Torri del Benaco angelegt hatten, fuhren wir Richtung Costermano und bogen dann zur Monte Baldo Höhenstraße ab. Wir folgten dieser (an diesem Tag recht verkehrsarmen) Straße und schauten über den Aussichtspunkt "Bocca di Navene"  hinunter auf den nahezu dunstfreien Gardasee. Ein super Ausblick, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Im weiteren Verlauf kamen wir über Brentonico nach Mori und bogen dort Richtung Rovereto ab. Nachdem wir in einer kleinen Trattoria (liegt mitten in der Spitze von zwei zusammenlaufenden Straßen) Pause gemacht und uns von unseren Begleitern getrennt hatten, fuhren wir weiter über die recht langweilige Straße Rovereto / Trient bis nach Lavis. Dort zweigten wir ab nach Cembra und folgten der kurvenreichen Landstraße nach Cavalese und über Predazzo bis nach Moena.

Am Ortsausgang von Moena erwartete uns bereits unser nächstes Domizil -> das Hotel Belvedere. Der Parkplatz des Hotels kann sich sehen lassen und für Biker ist eine riesige Garage als Unterstellmöglichkeit für die Motorräder vorhanden. Das gemütlich eingerichtete Hotel bietet alles, was man sich für einen Aufenthalt wünscht. Unbezahlbar ist dabei der Blick vom Privatpark auf die umliegenden Dolomitengipfel. Speziell in der Dämmerung ein wunderbarer Anblick!

Wir fanden ein Doppelzimmer mit angegliedertem Einzelzimmer als Unterkunft vor. Hier hätten wir auch problemlos mit unserer Tochter übernachten können, ohne irgendwelche Platzprobleme zu bekommen.

Das Essen war erstaunlich. Es ist uns bisher noch nie passiert, dass wir bei der Wahl der Halbpension zwischen jeweils 5 verschiedenen Gerichten für Vor- und Hauptspeise wählen können. Das war wirklich aussergewöhnlich. Das Essen war sehr lecker, das Personal äusserst aufmerksam und hilfsbereit.

Nach dem Abendessen wollten wir noch einen Spaziergang ins nahe gelegene Dorfzentrum machen, unterließen es aber aufgrund des drohenden Regens. Der Tag endete somit recht früh mit dem Betrachten des Fernsehduells Schröder <> Merkel zur Bundestagswahl 2005.

 

Tag 5 / Montag 5.9.2005

Für die Heimreise gestärkt, stellte sich erneut die Frage nach dem besten Weg nachhause. Abermals fiel die Wahl auf das Penserjoch als unproblematischste Strecke. Wir fuhren von Moena aus nach Vigo di Fassa und bogen zum Karrerpass ab. Der Karrerpass führt durchs malerische Eggental Richtung Bozen und wieder kam das Navigationssystem zum Einsatz. Es führte uns durch engste Straßen und direkt an der Burg Runkelstein vorbei ins Sarntal.

Dort angekommen fühlten wir uns bereits wie zuhause. Die Strecke ist leicht zu fahren, nie langweilig und bietet kaum Verkehr. Sollte man doch einmal hinter einem LKW hängen bleiben, lässt die nächste Überholmöglichkeit nicht lange auf sich warten. So kommt man beschwingt und zügig nachhause. Nachdem die Passhöhe überwunden war, ging es wieder hinab nach Sterzing und über die Brenner Bundesstraße bis kurz vor Innsbruck. Dort bogen wir auf unsere bewährte Innsbruck-Umgehung nach Mutters ab.

Wie bereits bei früheren Touren kehrten wir im Gasthof Gruberwirt in Götzens ein. Die Speisekarte erschreckte uns diesmal angesichts der Preise. Die Fleischgerichte lagen großteils in der Region um 14 EURO und das erschien uns recht hoch. Hier hatten wir schon günstiger gegessen. Trotzdem blieben wir und ich bestellte mir ein Tagesmenü zu 16,90 EURO. Und nun muss ich es einfach betonen -> das Essen war jeden Cent davon leicht wert! Obwohl die Hotels der letzten Tage wirklich gut waren, habe ich schon lange nicht mehr so gut gegessen.

Das Suppe schmeckte klasse, das Gemüse war auf den Punkt genau richtig gekocht, die Soße superlecker, das Fleisch ein echter Hammer und der Nachtisch zeichnete sich durch die liebevolle Dekoration und die hausgemachte Vanillesoße aus. Einfach top!

Nach diesem Mahl machten wir uns auf den Routine-Weg nachhause -> Zirler Berg, Mittenwald, Garmisch-Partenkirchen, Schongau, Landsberg, Augsburg. Diese Strecke sollten unsere Bikes mittlerweile schon fast alleine finden.

 

Insgesamt ein Spitzen-Ausflug. Durch die An- bzw. Abreise mit je einem Zwischenstopp wurden die Tagesetappen von max. 300km leicht zu bewältigen und die ganze Tour absolut stressfrei.