Interruptus 2003

 

Es war Ende August 2002 als wir wieder einmal einen Abstecher in die Dolomiten planten. Diesmal waren wir aber nicht nur zu zweit, sondern hatten auch einen befreundeten Biker dabei, der bei einer vorherigen Kurztour über´s Hahntennjoch auf den Geschmack gekommen war, und nun selbst Passluft schnuppern wollte.

Da wir diesmal nicht nur ein Doppelzimmer für uns brauchten, sondern auch noch ein Einzelzimmer für unseren Freund Thomas, haben wir diesmal vorab zwei Zimmer in einem Hotel im Fassatal reserviert.

Der ursprüngliche Plan sah vor, über Garmisch, Innsbruck, den alten Brenner und Sterzing das Penserjoch zu überqueren. Anschließend sollte die Strecke über Bozen, Karrer- oder Nigerpass ins Fassatal führen und uns in Vigo di Fassa unser Hotel erwarten.

Unsere Planung war perfekt. Wir brachen pünktlich auf und gelangten zügig bis zur italienischen Staatsgrenze. Nachdem wir im weiteren Verlauf das Penserjoch unter die Räder genommen hatten, genossen wir einen herrlichen Blick auf die zurückgelegte Strecke und Thomas war hin und weg von der Auffahrt auf´s Joch. Die Vorfreude auf den weiteren Streckenverlauf war riesig, und wir konnten es kaum erwarten, hinab ins herrliche Sarntal zu gelangen.

Nach einigen Kilometern, ca 5 km vor Sarnthein, mussten wir feststellen, daß Planung nur die eine Sache ist. Das Leben sieht manchmal andere Dinge vor.

Kurz hinter einer Kurve kamen wir bei ca. 70 km/h auf ein nasses Straßenstück. Der Schatten hatte verhindert, daß die Straße dort vollständig abgetrocknet war. Obwohl die Geschwindigkeit normalerweise problemlos war, zog es meiner TDM850 unvermittelt das Hinterrad weg. Ich nahm bei meinem anschließenden Flugversuch zuerst einen Straßenpfosten mit und landete dann mit der linken Seite hart auf der Straße. Das anschließende Weiterrutschen auf dem Straßenbelag setzte meinem Seitenkoffer, der Verkleidung usw. recht heftig zu.

Der hinterherfahrende Thomas kam zum Glück mit dem Schreck davon und konnte noch rechtzeitig anhalten. Als er sein Motrrad abstellte um nach mir zu sehen, sah er hinter sich meine Frau Gudrun im Straßengraben liegen. Gudrun hatte meinen Sturz gesehen und war vor Schreck mit Ihrer fast neuen SV650 voll in eine Böschung gerutscht.

Nachdem wir uns alle wieder aufgerappelt hatten und mein Motorrad von der Straße geschoben hatten, sammelten wir unsere Habseligkeiten zusammen und machten zuerst einmal Inventur: Zum Glück war weder Gudrun noch mir ein größerer körperlicher Schaden entstanden. Gudrun war soweit ok, die Böschung stieg nicht allzusteil an und bestand aus Rasen. Der Aufprall erfolgte außerdem leicht schräg, so daß die Sache einigermaßen glimpflich mit ein paar Prellungen abging. Ich hatte mir eine dicke Brandblase am Handballen, eine schmerzende Schulter und ebenfalls mehrere Prellungen zugezogen. Zum Glück hatte die Ausrüstung (Helm deutlich zerkratzt, Jacke mit durchgescheuerten Stellen, Handschuhe Müll ....) schlimmeres verhindert.

Schlimmer hatte es die beiden Motorräder erwischt. Beide Motorräder hatten hoffnungslos verbogene Lenker, gebrochene Spiegel und Blinker. Bei meiner TDM850 fehlte eine Fußraste und die andere war nur noch zu Hälfte da, die Verkleidung sah nicht mehr gut aus und Kupplungs- / Bremsgriff waren gebrochen. Gudruns SV-650 hatte es noch übler erwischt. Der Tank war heftig verformt, die Spiegel und der Scheinwerfer gebrochen, der Gepäckträger und die Topcase-Halteplatte gebrochen ..... Beide Motorräder waren in diesem Zustand nicht mehr fahrbar.

Thomas fuhr mir seiner Kawasaki los, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Das ursprünglich gebuchte Zimmer war nun unerreichbar geworden.

Ich versuchte inzwischen den ADAC zu anzurufen, damit unsere Bergung irgendwie organisiert würde. Natürlich hatte ich im Handy nur die deutsche Rufnummer des ADAC gespeichert und versuchte dort mein Glück. Ich bekam als erstes eine Ansage, daß sich die Rufnummer geändert habe, und man solle doch eine andere, per Tonband angesagte Nummer wählen.

Als ich die neue Nummer anrief,  landete ich auf einer Bandansage, die mich bat zu warten und nach Beendigung des Gespräches nicht aufzulegen, da anschließend eine Kundenumfrage gemacht würde. Am Ende dieses Textes flog ich aus der Leitung. Drei Versuche -> dreimal dasselbe Tonband -> dreimal Rauswurf. Sowas konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen.

Ich versuchte dann unser ursprünglich gebuchtes Hotel anzurufen, und dort die Nummer des italienischen Automobilclubs in Erfahrung zu bringen. Zum Glück kam währenddessen eine Polizeistreife vorbei. Auch Thomas kam zurück und hatte wenige Kilometer entfernt ein Zimmer in einer kleinen Pension aufgetrieben.

Die Polizisten halfen uns ein riesiges Stück weiter. Sie riefen den  Abschleppunternehmer J. Mair in Sarnthein an, der eine Karosseriewerkstatt besitzt und kurz darauf mit dem Abschleppwagen vor uns stand. Er lud beide Mopeds auf den LKW und bot uns an, diese in seiner Halle abzustellen und ggf. zu reparieren. Dankbar stimmten wir zu. Zwischenzeitlich fuhr einer der Polizisten mit Gudrun zu der Pension, in der uns Thomas die Zimmer organisiert hatte. Ich fuhr mit dem LKW mit in die Werkstatt (an einem weiteren Motorradsturz vorbei) und Thomas folgte uns mit seinem Bike. Nachdem wir in der Werkstatt den Schaden noch ein wenig begutachtet hatten, verabschiedeten wir uns von Herrn Mair und fuhren mit Thomas Kawa zu unserer Unterkunft. Auf dem Weg dorthin fing es an, wie aus Kübeln zu schütten und wir wurden klatschnass -> ein prima Ausflug also.

Nach einer ausgiebigen Dusche fing die Telefoniererei an. Der ACI (italienische Automobilclub) und der ADAC Mailand wurden verständigt. Dort versprach man mir die Klärung des weiteren Vorgehens am nächsten Morgen nach Rücksprache mit H. Mair von der Werkstatt. Anschließend riefen wir unseren Freund Jürgen an, der sich sofort bereiterklärte, uns am nächsten Tag mit dem Auto abzuholen.

Ein Abendessen in einem naheliegenden Restaurant beendete diesen furchtbaren Tag.

Am nächsten Morgen rief der  ADAC Mailand pünktlich an, und gab uns die Zusage, beide Motorräder abzuholen und nach Augsburg zu bringen. Da ich eine ADAC Plusmitgliedschaft habe (Gott sei Dank), war der Rücktransport gratis, obwohl beide Motorräder auf meine Frau zugelassen sind. (Anmerkung: Bei der ADAC Plusmitgliedschaft ist fast alles enthalten, was irgendwie mit motorisierten Fahrzeugen innerhalb einer Familie zu tun hat.)

Kurz darauf tauchte Jürgen auf und lud uns und unser Gepäck ins Auto. Thomas entschied sich den Ausflug ebenfalls abzubrechen und nach Augsburg zurückzufahren. Nachdem wir das Penserjoch überquert hatten, ging der Weg Richtung Brenner. Prompt fing es an zu regnen und Thomas blieb nichts anderes übrig, als im strömenden  Regen hinter uns herzufahren.

Nach einer kurzen Mittagspause kurz vor Innsbruck ging es weiter und Thomas konnte einem wirklich leid tun. zuerst der verpatzte Dolomitenausflug und dann auch noch stundenlanger Dauerregen.

Nach endlosen Stunden kamen wir endlich in Augsburg an und waren froh, das Ganze einigermaßen überstanden zu haben.

Bereits nach zwei Tagen kamen unsere Motorrader durch den ADAC-Transport in Augsburg an und landeten direkt bei unserm Händler. Die weitere Abwicklung war überraschend problemlos. 1 Formular und die Rückholung war erledigt.

Wir uns möchten hiermit bei den folgenden Personen bedanken, die uns sehr, sehr geholfen haben, dieses Chaos einigermaßen unbeschadet durchzustehen:

bulletDen beiden hilfsbereiten Polizisten, die das Abschleppen der Fahrzeuge veranlasst haben und für den Transport meiner Frau Gudrun in die Unterkunft sorgten.
bulletHerrn J. Mair, dem hilfsbereiten Abschleppunternehmer aus Sarnthein für seinen schnellen Einsatz
bulletDem ADAC Mailand, der schnell und unproblematisch den Rücktransport organisiert hat.
bulletUnserem Freund Jürgen, der uns sofort anbot uns abzuholen und dies auch prompt erledigte
bulletUnserem Mitfahrer Thomas, der das Ganze zusammen mit uns durchgestanden hat, zweimal klatschnass wurde und hoffentlich einen weiteren Versuch wagt, mit uns die Dolomiten zu besuchen. Ich freue mich bereits darauf.
bulletMeiner Frau Gudrun für alles

Wir freuen uns bereits auf den nächsten Ausflug im Jahr 2003 mit Thomas, mit meiner inzwischen reparierten TDM850 und Gudruns neu bestellter SV-650.