Rund um Landeck

 

Nachdem unsere Tochter (ein Dank an Oma und Opa) uns 4 Tage "dienstfrei" gegeben hat, entschlossen wir uns kurzfristig, mit unseren beiden Honda NTV650 Revere in die Alpen zu fahren. Für die Tourenplanung haben wir uns dann schamlos bei http://www.alpenbiker.de mit Informationen versorgt und einige gute Tips dort gefunden.

Nachfolgend eine kurze Beschreibung der gefahrenen Wegstrecken (Streckenübersicht als PDF-Datei) bzw. als Datei für Microsoft AutoRoute 2001.

 

Tag 1:

Anreise von Augsburg über Buchloe nach Marktoberdorf und weiter nach Kempten. Diese Strecke ist langweilig, jedoch gut dazu geeignet, schnell in die Alpen zu gelangen. Weiter ging es nach Waltenhofen zum Tanken und daraufhin nach Sonthofen. Übrigens: Sollte Ihnen jemand in einer Waltenhofener Tankstelle die Auskunft geben "Vignetten für Motorräder gibt es an der Grenze zu kaufen" -> glauben Sie Ihm nicht. Die Grenzstation ist nicht mehr besetzt und das Postamt im nächsten Ort nach der Grenze hat nur zeitweise geöffnet.

Nach dem Tanken fuhren wir über Hindelang zum Oberjochpaß. Das Stück über das Oberjoch ist zwar nicht besonders lang, bietet aber eine gute Gelegenheit sich auf die erhofften, zukünftigen Kurvenstrecken einzustimmen.

Die darauffolgende Stecke durchs Tannheimer Tal und über den Gaichtpaß bietet nur eine einzige Überraschung -> den Gaichtpaß erkennt man nur am Ortschild "GAICHT". Warum dieser Paß überhaupt in einer Landkarte erwähnt wird, bleibt wohl ein Geheimnis der Kartographen. Die gewählte Wegstrecke führte uns über Reutte, anschließend über den Fernpaß und am malerisch gelegenen Blindsee vorbei nach Nassereith. Dort hielten wir uns Richtung Imst.

Auf unserer Suche nach einer Unterkunft landeten wir, nach einem vergeblichen Abstecher ins wenig anziehende Landeck, im Gasthof Silberspitze. Dieser liegt auf halber Stecke zwischen Imst und Landeck im Ort Schönwies. Ordentliche Doppelzimmer mit Dusche und WC kosteten dort pro Person und Nacht ca. 46,-- DM und eine Unterstellmöglichkeit für die Motorräder ist auch vorhanden.

Da wir unsere Fahrt erst um 12:00 Uhr begonnen hatten, war es mittlerweile bereits 17:00 Uhr geworden und so ließen wir den Tag im in unserer Unterkunft ausklingen.

 

Tag 2:

Bei wunderschönem Spätsommerwetter ließen wir unsere nächste Tour um 10:00 Uhr gemütlich angehen, denn die gewählte Route über Landeck, den Finstermünzpaß, den Reschenpaß (am Reschensee mit der darin versunkenen Kirche vorbei) ließ uns zügig nach Italien vorankommen.

Wir hatten uns für diesen Tag noch einiges vorgenommen. Wir fuhren nach Spondigna und bogen dort nach Prato ab. Nach einem kurzen Tankstop nahmen wir die Ostrampe des Stilfserjochs in Angriff. Nach zahlreichen Kurven und vielen Kehren (mit kurzer Fotopause an einer Gaststätte) fuhren wir (Bild 1 / Bild 2) hinauf zum Sattel mit der Ferdinandshöhe. Dort angekommen bietet sich eine gute Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten, mit einem Paar Bratwürste zu stärken und mit den nötigen Kitschsouvenirs einzudecken.

Der weitere Weg ging Richtung Westen bis zur Abzweigung in die Schweiz über den Umbrailpaß. Obwohl der Umbrailpaß mit seinen vielen Kurven und Kehren z. T. nicht asphaltiert ist, läßt sich die festgefahrene Erdfahrbahn auch mit Straßenmotorrädern recht problemlos bewältigen.

Bei St. Maria führte die Stecke (diesmal an Spondigna vorbei) in Richtung Meran. Im Steckenverlauf landet man dann unversehends auf der Autobahn nach Bozen. Wer jetzt, so wie wir, zum Timmelsjoch möchte, muß unbedingt bei Meran Süd die Autobahn verlassen. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist hierfür auch die Beschilderung nach "Dorf Tirol".

Weiter ging es auf einer hübschen, kurvigen Landstraße nach St. Leonhard. Zu gern wären wir noch über den Jauffenpaß gefahren, doch leider hielt uns die Kondition unserer Hinterteile von diesem Vorhaben ab.

Wir fuhren über das mautpflichtige Timmelsjoch (ca. 9,50 DM pro Motorrad und jeden Pfennig davon wert), eine Traumstrecke für jeden Freund von Kehren und Kurven, weiter ins österreichische Ötztal. Durch diverse Touristenorte wie Sölden, Lengenfeld usw. kamen wir nach Ötz. Da wir hier den Wegweiser nach Imst verschlafen hatten, landeten wir unbeabsichtigt auf der Autobahn Innsbruck -> Bregenz. Nun waren wir froh, daß wir uns sicherheitshalber die 2-Monats-Vignetten (11,50 DM pro Motorrad) für die Autobahnbenutzung geleistet hatten.

Nachdem wir wieder über Imst nach Schönwies gelangt waren, haben wir den Tag mit ca. 400 km mehr auf dem Tacho für beendet erklärt. Eine warme Dusche und ein gepflegtes Abendessen waren nun der gelungene Abschluß eines wunderschönen Tages.

 

Tag 3:

Da in der Paßbeschreibung unter http://www.alpenbiker.de die Silvretta-Hochalpenstraße als alpiner Leckerbissen gepriesen wird, wollten wir uns dieses Schmankerl natürlich nicht entgehen lassen. Wir fuhren daher von unserer Unterkunft wieder einmal Richtung Landeck, um dann Richtung Bludenz den Arlbergpaß zu überqueren. Auf der Fahrt Richtung Bludenz ist die Abzweigung zum Silvretta deutlich beschildert und kaum zu übersehen.

Nach der etwas langweiligen Anfahrt über Montafon und Schruns erreicht man die Westrampe der Silvretta-Hochalpenstrasse. Die Maut für die nun folgende Strecke beträgt nahezu unverschämte 20,-- DM pro Motorrad. Der Betrag ist insbesondere deshalb unverschämt, weil Autos mit 21,50 DM nur geringfügig mehr bezahlen. Hier werden die Motorradfahrer eindeutig gemolken.

Nach mehreren schönen Kehren gelangt man auf halber Strecke zum ersten von 2 Stauseen. Die Weiterfahrt erfolgt durch ein landschaftlich sehr schönes Gebiet (Bild1 / Bild2 / Bild3) mit einigen Kehren und Kurven und führt zum oberen Stausee mit großem Parkplatz, dort frei herumlaufenden Ponys und einigen extra ausgewiesenen Motorradstellplätzen. Hier befindet sich auch ein Hotel, ein Selbstbedienungsrestaurant und die obligatorischen Kitsch-Verkaufsstellen.

Auf der Ostrampe geht es dann relativ langweilig und gerade in Richtung Galtür hinab. Nach diesem, landschaftlich schönen, aber fahrtechnisch nicht sehr anspruchsvollem Abstecher konnten wir uns noch nicht zur Heimkehr in unsere Unterkunft entschließen. Da fiel uns -zum Glück- noch ein weiterer Tip von http://www.alpenbiker.de ein. Der Besuch der Kaunertals mit dem Gepatsch-Gletscher kam uns jetzt gerade noch recht.

Wir fuhren ja ohnehin bereits Richtung Landeck, wählten dort die Strecke zum Reschenpaß, und folgten dieser einige Kilometer bis nach Prutz. Dort bogen wir links ins Kaunertal ab. Durch ein landschaftlich schönes Gebiet mit Wald und kurviger Straße gelangt man nach Feichten und kurz darauf an die Mautstation. Die Tagesmaut von ca. 5,80 EURO pro Motorrad kam uns im Vergleich zur Silvretta-Maut wie ein Schnäppchen vor und wir hofften nur, daß sich die Strecke nicht auch als entsprechend "billig" herausstellte. (Nachtrag vom Oktober 2001: Die Mautgebühr wurde mittlerweile um 47% auf stolze 8,72 EURO erhöht)

Kurz nach der Mautstelle kamen wir an eine Kehre mit dem Schild "KEHRE 29" und wir ahnten bereits, daß wir hier richtig waren. Ein paar der vermuteten Kehren finden sich dann auch noch vor der Ankunft am Gepatsch-Stausee. An dessen linkem Ufer führt eine schmale,  jedoch wunderschön zu fahrende Strasse direkt am See entlang zum Gepatschhaus.

Am Gepatschhaus vorbei findet sich dann die eigentliche Bergstrecke mit ihren vielen Kurven und Kehren, bis hinauf zum auf 2750m gelegenen Bergrestaurant (mit Selbstbedienung und typischem Skitourismus-Speiseplan). Die karge Landschaft und das ewige Eis des Gletschers haben vielleicht nicht die Bilderbuch-Schönheit wie der Silvretta-Stausee, sind jedoch mindestens ebenso faszinierend und beeindruckend.

Sowohl der Hin- als auch der Rückweg über dieselbe Strecke sind ein echter Genuß und auch die Rückfahrt am See entlang ist ein echter Hit und sollte in keinem Tourenplan fehlen. Der Rückweg nach Prutz, weiter nach Landeck und wieder zurück in unsere Pension bescherte uns dann die restlichen Kilometer, so daß wir an diesem Tag dann doch noch ein Pensum von ca. 300 km "erfahren" haben.

Auch an diesem Tag schien uns die anschließende heiße Dusche und ein leckeres Abendessen wohlverdient.

 

Tag 4:

Auf Anraten unseres Pensions-Wirtes nahmen wir für den Rückweg nach Augsburg die Stecke über Imst zum Hahntennjoch. Trotz des etwas holperigen Straßenbelages und einigem Gegenverkehr (hauptsächlich Motorräder) ist das Hahntennjoch eine schöne Kurvenstrecke um den Urlaub langsam ausklingen zu lassen. Kehren sind auf dieser Strecke selten, aufgrund des Fahrbahnbelages ist die Strecke aber stellenweise nicht ganz unproblematisch zu fahren. Bei Regen ist außderdem mit Kies und Muren auf der Fahrbahn zu rechnen. Bei so schönem Spätsommerwetter mit ca. 24 Grad ist es jedenfalls die bessere Wahl als der langweilige Fernpaß, den wir für den ersten Tag gewählt hatten.

Weiter ging der Weg nach Reutte und von dort den sehr schön gelegenen Plansee entlang bis zu einem Restaurant am Ende des Sees. Dort kamen wir an einem kräftigen Mittagessen und dem dazugehörigen Durstlöscher einfach nicht vorbei.

Der weitere Streckenverlauf führte am Schloß Linderhof vorbei nach Oberammergau und weiter nach Landsberg. Ein Abstecher ins dortige Wellen-Freibad war an so einem wunderschönen Spätsommer-Sonntag einfach Pflicht. Nach zwei Stunden im Bad schwangen wir uns wieder auf unsere Moped´s und fuhren die restlichen 45 Kilometer ins heimatliche Augsburg, um dort mit wehen Hinterteilen das Ende eines wunderschönen 4-Tage-Kurzurlaubes zu geniessen.

 

Bemerkungen:

Wer sich für hervorragende Fotografien der beschriebenen Passstrecken interessiert, findet zusätzlich Bilder unter www.motoalps.de.