Stilfser Joch ...

 

Es war wieder mal soweit. Die Moped´s wurden beladen, das Kind an Oma und Opa verliehen und das Zielgebiet stand auch schon fest. Da wir als Termin den 15.6-2003 - 18.6.2003 (2. Woche der Pfingstferien) zum Mopedfahren nutzen wollten, haben wir uns bei www.wetter.com mit den aktuellen Vorhersagen versorgt und kurzentschlossen eine Runde zum Dreiländereck Österreich / Schweiz / Italien unter die Reifen genommen.

 

Tag 1 (Sonntag, 15.6.2003) / ca. 280 km

Wir starteten vormittags um 10:00 Uhr und machten uns auf den Weg von Augsburg nach Landsberg und über Reute zum Hahntennjoch.  Aufgrund einer Sperrung des Hahntennjochs blieb uns leider eine Routenänderung über den (langweiligen und daher ungeliebten) Fernpass in Richtung Reschenpass nicht erspart. Wir legten nach einem Tankstop kurz hinter Imst erst wieder am Reschensee eine kurze Kaffeepause ein. Unser ursprünglicher Plan sollte uns heute noch bis Bormio führen, aber allmählich kamen Zweifel daran auf, ob wir heute noch Lust auf eine Überquerung des Stilfser Jochs hätten. Wir waren uns beide einig, daß wir noch ein Stückchen Weg zurücklegen sollten, das endgültige Ziel aber dann kurzfristig festlegen würden.

Nach der  Stärkung mit Kaffee und Käsesahne-Torte ging´s wieder weiter. Wir fuhren die Route über Mals und Spondinig bis nach Prad am Stilfser Joch (Prato allo Stelvio) und kamen dort direkt an der Auffahrt zum Joch am "Hotel Zentral" vorbei. Nach kurzer Besprechung entschieden wir, dort mal nach einem Zimmer zu fragen.

Unser Eindruck beim Betreten des Hotels war nicht umwerfend. Der Eingangsbereich war nicht gerade im Neuzustand und die Lobby hatte auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Dennoch ließen wir uns einen Zimmerschlüssel geben, um das Zimmer zu begutachten. Als wir die "Junior-Suite" betraten, waren wir äußerst angenehm überrascht. Das Zimmer war ein echter Hit.

Die Einrichtung war komplett neu und die Suite verfügte über einen getrennten Wohn- und Schlafbereich, ein sehr schön eingerichtetes Bad mit allem Komfort, einem ordentlichen Balkon mit Blick in den Garten und war einfach klasse. Angesichts der Ausstattung war der Preis von 48,-- EURO für Halbpension / Person durchaus fair.

Leider hatten wir wieder einmal die unsere Badeklamotten vergessen und konnten daher das Hotel-Hallenbad nicht nutzen. Die Dusche in unserem Zimmer sorgte aber natürlich für die nötige Erfrischung. Der anschließende Spaziergang zum nahegelegenen Marktplatz von Prad mit Besuch der örtlichen Eisdiele war selbstverständlich für uns. Nach dem Abendessen mit 5-Gänge-Menü endete den Tag und machte Lust auf den Nächsten.

 

Tag 2 (Montag, 16.6.2003) / ca 230 km / Strecke als PDF-Datei

Nach dem Aufstehen gingen wir in den Frühstücksraum und waren gespannt, wie das Frühstück aussehen würde. Das hervorragende Abendessen vom Vortag lies uns das Beste hoffen. Leider fanden wir an unserem Tisch pro Person nur eine einzige Semmel (=Brötchen) vor. Auch ein Rundblick auf die anderen Tische zeigte uns, daß pro Person wirklich nicht mehr Semmeln vorgesehen waren. Als Ergänzung hierzu gab es aber Weißbrot am Büffettisch und 2 Wurstsorten, Käse, Marmelade, Honig, Joghurt ..., sodaß wir uns kaum beklagen konnten.

Nach dem Frühstück konnten wir es kaum erwarten, das Stilfser Joch unter die Räder zu kriegen. Wir schwangen uns auf unsere Mopeds und fuhren die zahlreichen Spitzkehren hoch zum Paßübergang. Dort machte ich mich auf die Suche nach der Webcam, die mir das ersehnte Bild auf´s Stilfser Joch liefert, wenn mich mal wieder das Fernweh packt.

Nach einem kurzen Besuch der Andenkenstände ging die Fahrt weiter Richtung Bormio. Die Abfahrt dorthin lief wiedermal prima und Kurven und Kehren lassen einem klar werden, wozu man eigentlich Motorrad fährt.

Die weitere Route führte uns durch Bormio und von dort aus zum Gaviapass. Meine Frau war von unserer letzten Gavia-Überquerung nicht so begeistert und sagte, der Paß wäre so furchtbar eng gewesen. Ich hatte ihn gar nicht so schlimm in Erinnerung. Nun muß ich zu meinem Leidwesen eingestehen, daß sie zu 100% recht hatte. Der Pass ist kurvig, holperig und teilweise so eng, daß kaum 2 Motorräder aneinander vorbei kommen (speziell, da viele Biker die Straßenmitte als "Ihre Spur" betrachten und nicht in der Lage sind, auf der eigenen Seite zu bleiben). Obwohl ich den Pass als recht problemlos in Erinnerung hatte, wurde ich fast seekrank von der Hoppelei. Der Belag ist teilweise wirklich mies. Daß mir von der eigenen Fahrerei fast schlecht wurde, ist mir auch noch nie passiert und wird hoffentlich ein Einzelfall bleiben.

Am Fuße des Gavia angekommen fuhren wir nach Edolo. Dort tankten wir unsere Maschinen wieder voll, um dem drohenden Aufleuchten der Reservelampe vorzubeugen. Nun blieb die Frage offen, wie wir wieder nach Bormio zurückfahren sollten.

Variante 1: Zurück über den Gavia (mir war noch immer übel)

Variante 2: Über den Passo del Aprica (in diese Richtung fuhren reichlich Autos und LKW´s und wer will das schon)

Variante 3: www.toureninfo.de sei Dank -> 5 km zurück Richtung Gavia und dann links zum Passo di Mortirolo

Wir wählten Variante 3 und fuhren das Stückchen Richtung Gavia zurück. An der Abzweigung Richtung Monno geht´s über eine schmale, aber asphaltierte Straße durch Wald und Wiese (an 2 Restaurants mit super Aussicht vorbei) zur Paßhöhe. Dort führt der Weg Richtung Mazzo und wird jetzt noch enger. Gerade Streckenabschnitte sind hier Fehlanzeige. Es geht vielmehr von einer engen Kurve in die nächste und von einer (sehr!!) engen Kehre in die nächste. Man glaubt, das Ziel nicht mehr zu erreichen, aber mit geeigneten Bikes ist das Ganze Herausforderung und Spaß zugleich. Für Supersportler dürfte die Strecke eher ein Alptraum sein, mit unseren Bikes, einer Suzuki SV-650N und einer Yamaha TDM-850 war es aber problemlos machbar.

Nach unserer Ankunft in Mazzo di Valtellina bogen wir rechts nach Bormio ab. Auf der Strecke gibt es mehrere Tunnels und es bleibt einem keine Alternative -> ab in den Tunnelmief. Endlich in Bormio angekommen, fuhren wir wieder Richtung Silfser Joch. Da meine Frau aber katagorisch ablehnt, das Joch runterzufahren, wählten wir den Umbrailpass für den Heimweg.

Wer den Umbrail kennt, weiß, daß dort ein Teilstück nicht asphaltiert ist. Normalerweise stellt dieses Stück keinerlei Problem dar, jedoch diesmal war irgendein Genie auf die Idee gekommen, vor den Pfingstferien nochmal ordentlich Split auf die Strecke zu werfen. Die Abfahrt war daher nicht ganz so einfach wie bei unserem letzten Besuch. Wir freuten uns daher auch, als dieses unschöne Stück hinter uns lag, und der asphaltierte Teil wieder begann.

Die weitere Rückfahrt durch´s schweizereische St. Maria, weiter Richtung Glorenza und dann nach Prad war ein Katzensprung.

Auch an diesem Abend gab es wieder ein leckeres Eis, Cappuccino und anschließend das mehrgängige Hotelmenü.

 

Tag 3 (Dienstag, 17.6.2003) / ca. 290 km / Strecke als PDF-Datei

Heute wollten wir nach unserer wohlverdienten Semmel ein weiteres Mal die Gegend erkunden. Diesmal sollte aber die Streckenführung uns mehr in die schweizer Gefilde des "Dreiländerecks" führen.

Wir begannen unsere Strecke mit dem Streckenstück, mit dem wir am Vortag die Runde beendet hatten. Also von Prad nach Glorenza und ins schweizerische St. Maria. Dort hielten wir uns in Richtung Ofenpass und überquerten diesen. Die Straße ist dort sehr gut ausgebaut und wir folgten der Route bis Zernez.

Dort entschieden wir, nicht wie ursprünglich überlegt, den Fluelapass anzugehen, sondern wählten die Richtung St. Moritz. Kurz vor St. Moritz zweigt rechts die Route zum Albulapass ab. Um nicht wegen Spritmangels liegenzubleiben, fuhren wir an dem Abzweig vorbei, gingen tanken und fuhren dann die 30 Meter zurück zu dieser Abzweigung zum Albula. Der Albulapass ist fahrtechnisch nicht schwierig, aber landschaftlich sehr reizvoll. Gegen Ende der Strecke kommt man an mehreren Stellen direkt an einer der berühmten Zugstrecken mit Ihren Steinbrücken vorbei.

Am Ende der Albula-Strecke bei Filisur hielten wir uns Richtung Tiefencastel. Kurz bevor wir Tiefencastel erreichten, ging es im Kreisverkehr zum Julierpass. Leider hatten wir auf dem Julierpass immer wieder mit LKW´s zu kämpfen und wer einmal für 2 Kilometer hinter einem LKW hergefahren ist, der lebende Kühe transportiert, weiß wie sehr man sich eine Überholmöglichkeit wünschen kann.

Nach Überwindung des Julierpasses ging es an St. Moritz vorbei und über Pontresina zum Berninapass weiter. Leider schien das Wetter nicht mitzuspielen und wir fuhren bei der Anfahrt zum Bernina immer mehr an die Nähe der Wolken heran. Gottseidank kam es aber nicht zu einem "Eintauchen" in die Wolkendecke. Kurz bevor wir die Wolkendecke erreichten, hatten wir die Passhöhe hinter uns und es ging wieder talwärts.

Nach wenigen Kilometern trafen wir auf die Abzweigung nach Livigno. Wir folgten der Wegweisung und gelangten über die Grenzstation am Forcola di Livigno zum gleichnamigen Ort Livigno. Dort legten wir eine Ruhepause bei einer absoluten Spitzenpizza im Hotel Amerikan ein. Nachdem wir hervorragend gegessen hatten, ging es weiter zum Foscagno-Pass.

Kaum hatten wir die Passhöhe überquert, fing es nun endgültig zu nieseln an. Da uns andere Biker entgegenkamen und sich diese dann in einem Galerietunnel umzogen, entschlossen auch wir uns, unsere Regenkleidung anzulegen. Immerhin ersparten wir uns damit ca. 200 -300 Meter Regenstrecke. Denn danach war alles wieder trocken und unsere Regenkleidung war für die Katz.

Am Ende des Foscagno, also kurz vor Bormio, bogen wir zum Stilfser Joch ab. Der Rückweg lief fast wie am Vortag. Wir fuhren also zur Abzweigung Umbrail, den Umbrailpass hinunter, durch St. Maria Richtung Glorenza. Allerdings machten wir diesmal kurz vor der Grenzstation Halt und besuchten ein Internetcafe um meine Mails abzurufen. Die Kosten von 5 Schweizer Franken für 30 Minuten schreckten uns dabei nicht.

Draußen sah es inzwischen wie beim Weltuntergang aus. Der Himmel war fast schwarz, aber es fiel kein einziger Tropfen Regen. Wir fürchteten, daß der Regen auf unsere Rückkehr auf die Straße warten würde. Zum Glück bewahrheitete sich der Verdacht nicht. Wir kamen trocken zurück in unser Hotel und beendeten den Tag mit der obligatorischen Dusche und dem Abendessen.

 

Tag 4:

Nachdem der Wetterbericht sehr wechselhaftes Wetter angekündigt hatte, entschlossen wir uns zur Heimfahrt. Wir nahmen als Rückweg dieselbe Strecke wie auf der Hinreise und waren nach ca. 50 km Nieselregen und ca. 70 km widerlichem Front- und Seitenwind froh, als wir die Gesamtstecke von ca. 280 km bis Augsburg hinter uns hatten.